Kjøllefjord 2021

Anreise / 1.Tag

 

Endlich!!! Nach unfreiwilliger ,,Zwangspause“ ging es nun heute endlich wieder ins gelobte Land. Bei fast 30°C gestartet, mussten wir auf Grund der momentanen Situation unsere Anreise um weitere 400 km verlängern. Da wir nach norwegischen Regeln keine öffentlichen Verkehrsmittel, also auch keine Fähre benutzen durften, ging die Reise über Dänemarks Brücken. Die Einreise in Dänemark, Schweden und Finnland war unkompliziert, teilweise war die Grenzstation gar nicht besetzt. Planmäßig fuhren wir am Folgetag gegen 0.00 Uhr an der norwegischen Grenze vor. Der Zöllner (ein Finne?) jagte uns völlig genervt weiter zu einer provisorisch eingerichteten Polizeisperre. Hier erklärte uns der freundliche Polizist, dass die Abfertigung nur von 8.00 – 21.00 Uhr stattfindet…sprach er und ging wieder ans Lagerfeuer. Also verbrachten wir 8 Stunden bei 7°C Außentemperatur zu fünft im Auto im Halbschlaf. Pünktlich 8.00 Uhr kam Unterstützung durch das Militär und wir konnten erstaunlicherweise ohne den vorher angekündigten Corona-Test die Grenze passieren. Völlig übermüdet aber am Ende doch glücklich, schließlich hatten die Jungs ihre Getränkevorräte ohne ,,Aufpreis“ durch den Zoll bekommen, machten wir uns auf die letzten 480 km. Am Haus angekommen hieß es dann auspacken, einrichten und Bote flott machen. Nach 51 Stunden Fahrzeit und zurückgelegten 3360 km beschlossen wir dann, den Rest des Tages die Beine baumeln zu lassen und die erste Ausfahrt auf morgen zu verschieben. Die Fische hatten also noch mal Glück und die Jungs Durst…                                               

 

 

2.Tag

 

Nach einer guten Mütze voll Schlaf und einem deftigen Frühstück ging es heute  nun endlich zur ersten Ausfahrt. Das Wetter meinte es mit 7°C und Nieselregen nicht gerade gut mit uns. Der Wind blies mit 5-6 m/s aus Nord-West und somit der Länge nach über den Fjord. Wir quälten uns mit langsamer Fahrt bis zum Fjordausgang und versuchten es dort erst einmal bei 80 Metern. Wir hatten die Köder kaum auf dem Grund, schon waren alle Ruten krumm. Ruckzuck waren die ersten stattlichen Dorsche in der Kiste. Die nächsten Stopps bei 120-90 Meter brachten weitere Dorsche und gute Seelachse an die Luft. Als dann der Regen stärker wurde fuhren wir mit 2 vollen Kisten zufrieden in den Hafen. Nach dem leidigen Filetieren wurde der Grill angeschmissen und…na den Rest kennt ihr ja schon von uns.

 

3.Tag

 

Heute war erst einmal ausschlafen und ein langgezogenes Frühstück angesagt. Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch den Ort, machten wir uns schick für die Fische und sattelten die Boote. Die Wettervorhersage passte zu unserem Plan, ein Ausritt auf die 20 km entfernten Fanggründe am Laksefjord. Mit Halb Gas kämpften wir uns gegen die noch schwappende See, aber es sollte ja besser werden. An den Fanggründen angekommen suchten wir in 100 Metern nach Herrn Butt. Wir fingen Dorsch satt, drei Fische über der Metermarke und reichlich kleine Seelachse. Diese waren in riesen Schwärmen da, so dass ein hindurchkommen schwierig war. Mittlerweile hatten sich auch reichlich Schweinswale eingefunden, welche sich auch am Buffet bedienten und bis auf zwei Meter an das Boot kamen. Nun hieß es auf den dicken Heili aus der Tiefe zu hoffen. Immer wieder klinkten sich stattliche Dorsche ein, doch der gewünschte Butt wollte nicht so recht. Nach reichlich Drillspaß rief ich das zweite Boot an um unsere Rückfahrt anzumelden. Dennis war völlig kurzatmig und sagte nur: ,,Kommt vorbei, bei mir hat es eingeschlagen“. Als wir ankamen sahen wir ihn schon pumpen, die Rute im Halbkreis gebogen. Schnell war klar, er hat einen guten Butt erwischt. Nach einer guten halben Stunde war der Kumpel zum ersten Mal an der Oberfläche und die Jungs riefen sofort nach einem zusätzlichen Mann an Bord. Der Butt marschierte natürlich erwartungsweise zurück in die Tiefe und wir legten längsseits an. Axel ging mit einem weiteren Flying-Gaff an Bord. Als der Fisch nach weiteren 15 Minuten das zweite Mal an die Sonne kam war er schon etwas ruhiger aber noch nicht müde. Axel bekam das Gaff nicht angesetzt und so marschierte er wieder nach unten. Beim dritten Mal saß dann das Gaff im Unterkiefer, so dass Axel und Micha die knapp 90 kg über die Reling wuchten konnten…was für ein Kraftakt. Auf dem Boot war die Freude natürlich riesig und Dennis völlig erschöpft aber überglücklich. Das Maßband brachte dann nochmals ein Strahlen in seine Augen. Der Bursche hatte stolze 184 cm und lag somit 10 cm über seinem persönlichen Rekord. Das Gewicht konnte nur mit knapp 90 kg geschätzt werden, da ein Ausheben im Boot unmöglich ist und es außerdem schnell gehen musste, schließlich wollten wir ihn ja releasen.  Mit vereinten Kräften wurde er wieder vorsichtig über die Reling gehoben worauf er mit kräftigen Schwanzschlägen in der Tiefe verschwand. Was für ein geiles Erlebnis…genau für diese Augenblicke kommen wir her! Zufrieden und glücklich ging es zurück in den Hafen, wo uns Axel ein leckeres Abendessen zauberte. Das Ganze wurde natürlich an reichlich Getränk serviert.

 

4.Tag

 

Der Blick auf die Wettervorhersage ließ uns heute nicht viel Spielraum. Ab dem frühen Nachmittag war stark zunehmender Ostwind bis 11 m/s angekündigt. Wir hatten demnach nur bis ca.14.00 Uhr Zeit aufs Meer zu fahren, somit fiel der Turn auf die Offshore Gebiete aus. Wir hatten von vereinzelten Fängen kräftiger Makrelen gehört, somit stand der Zielfisch klar. Wir versuchten es also mit leichten Pilkern am Makrelenpaternoster im Fjord. Leider konnten wir kein Exemplar der kleinen Tunfischart an die Ruten bekommen. So fuhren wir bei noch herrlichem Sonnenschein bis zum Fjordeingang und hatten dort mit leichten Gummis viel Spaß beim ,,Dorschstippen“. Leider bewahrheitete sich die Wettervorhersage, der Wind frischte merklich auf und wir fuhren rein.

Laut der Wetterprognose müssen wir nun bis morgen Abend pausieren…na wir schauen mal und hoffen auf frühzeitige Besserung.                                        

 

5.Tag

 

Nachdem der Sturm die ganze Nacht an der Hütte rüttelte, haben wir den Vormittag vergammelt und sind am frühen Nachmittag mit wenig Hoffnung in die Boote gestiegen. Der Ostwind fegte immer noch mit 6-7 m/s über den Fjord. Bei ungemütlichen 6°C fuhren wir mit Rückenwind bis zum Fjordeingang und versuchten dort ein wenig Windschutz hinter den letzten Felsen zu bekommen. Leider war es dort einfach zu flach und der Fisch war auch nicht dort. Ein paar zu schnelle Driften mit 2 Km/h brachten nur vereinzelt Fische. Nach 3 Stunden haben wir uns dann eingestehen müssen, dass es nichts bringt und sind wieder reingefahren. So ist halt der hohe Norden, schön rau aber manchmal halt zu rau.

 

6.Tag

 

Der morgendliche Blick aus dem Fenster und im Anschluss auf die Wettervorhersage ließen wieder keine Hektik aufkommen. Der Fjord lag im Regen und der Wind kam mit 6-7 m/s aus Nord-Ost. Da er aber noch weiter auffrischen sollte und wir nicht den ganzen Tag verlieren wollten, rafften wir uns nach dem Frühstück zum Ausritt auf. Wieder ging es nur bis zum Fjordeingang, um dort mit 2,5 Km/h Drift über die fischarmen Stellen zu fliegen. Hin und wieder blieben ein paar Dorsche, Seelachse und Schellfische hängen…Spaß ist anders. Also wieder nach 3 Stunden rein und auf besseres Wetter hoffen. Der Abend hat aber noch ein Highlight für uns…Axel hat leckere Eisbeine gekocht…und morgen sieht es bestimmt wieder besser aus.

7.Tag

Heute zeigte sich das Wetter von der bisher schlechtesten Seite, und so war an eine Ausfahrt nicht zu denken. Einem Spaziergang durch den Ort folgten essen, trinken, schlafen und essen und…

8.Tag

Es ist zwar Sonntag, aber die Wetteraussichten ließen uns bereits vor 7 aus den Betten springen. Nach einem schnellen Frühstück ging es ab in die Boote und raus auf die Hotspots vor Sværholt. Nach knapp 1-stündiger Fahrt kamen wir an der angepeilten Stelle an. Die Dünung war nach den 3 Tagen Sturm erwartungsgemäß immer noch mit 3 Metern hoch, was uns aber nicht am erfolgreichen Angeln abhalten sollte. Auf rund 90 Metern verhafteten wir tolle metrige Dorsche, der Größte hatte 121 cm. Auf Boot 2 hatte Micha bereits einen Butt von 105 cm gelandet und einen zweiten Butt im Drill verloren. Wir fuhren also zu ihnen weiter unter Land auf gut 40 Meter. Leider hatten wir kein Glück mit dem Butt und so gingen wir wieder auf Tiefe. Hier war es aber deutlich ruhiger geworden und die Tide hatte auch ihren Niedrigstand erreicht. Wir entschlossen uns zur Rückfahrt, um es noch in unserem Fjordeingang zu versuchen. Hier kamen nochmals ein paar schöne Dorsche an die Oberfläche und machten den Angel Tag komplett.

Ausgehungert feuerten wir unseren Sternekoch Axel an, welcher uns ein geiles 2 Kg Rinderfilet servierte. Was für ein Festmahl, was für ein Hammer Tag! Ich sage nur Prost und gute Nacht.

9.Tag

Nach abgebrochenem Schlaf und schnellem Frühstück ging es bei strahlendem Sonnenschein auf die weit entfernteste Stelle. Nachdem gestern in diesem Revier 14 Butts von den osteuropäischen Horden aus den Nachbarwohnungen gefangen wurden, wollten wir heute auch noch einmal angreifen. Da es unser letzter Angeltag ist und unsere Fischkisten übervoll sind, wollten wir nochmals ganz entspannt dem Butt nachstellen. Gleich in der ersten Drift konnte ich einen Butt von 95cm haken, weitere vorsichtige Bisse folgten. Leider kam nach mehreren Driften keine weiteren Butts dazu, jedoch die Stelle füllte sich mit russischen Wiederholungstätern. Wir hatten natürlich keine Lust auf Fischen mit Volksfestcharakter und fuhren auf andere ruhigere Stellen. Hier hatten wir nochmals riesigen Spaß mit strammen Dorschen und bis zu 80 cm großen Seelachsen. Viel zu schnell war der letzte Angeltrip zu Ende und es ging wieder in den Heimathafen. Der Grill wurde angeschmissen und wir ließen uns die Steaks und Würste bei grandios untergehender Sonne schmecken. Mehr braucht es nicht zum glücklich sein.

10.Tag

Heute war der letzte Tag unserer Reise und somit hieß es putzen und packen…und natürlich traditionell ,,verbrannte Erde“ spielen. Das heißt es werden alle Essens- und Getränkevorräte, die wir noch besitzen, aufgegessen sowie getrunken. Ist echt Schwerstarbeit…

Morgen früh geht es dann wieder auf die Reise in die 3000 km entfernte Heimat. Auf der Rücktour können wir die geplante Fähre nehmen und müssen nicht noch den riesen Umweg über Dänemark fahren.

 

Wir blicken glücklich und mit Wehmut auf wunderschöne Tage zurück und freuen uns aufs Wiederkommen!